EU-Schwellenwerte
Was sind EU-Schwellenwerte?
Ob ein Auftragswert über den EU-Schwellenwerten liegt, ergibt sich aus der Schätzung des Nettoauftragswerts. Maßgeblich sind alle geplanten Leistungen, Optionen und Vertragsverlängerungen. Überschreitet der geschätzte Nettoauftragswert den jeweiligen EU-Schwellenwert, ist eine europaweite Ausschreibung Pflicht. Auftraggeber müssen in diesem Fall die EU-weiten Vergaberegeln anwenden und die Ausschreibung im Amtsblatt der EU veröffentlichen, um den Grundsätzen von Transparenz, Wettbewerb und Gleichbehandlung gerecht zu werden.
Beispiel: Ein Bauauftrag mit einem geschätzten Nettoauftragswert von 5.400.000 Euro überschreitet den EU-Schwellenwert von 5.382.000 Euro und unterliegt daher den EU-Vergaberichtlinien.
Aktuelle Schwellenwerte (01/2026)
Abgrenzung zu nationalen Schwellenwerten
Der zentrale Unterschied zwischen EU- und nationalen Schwellenwerten liegt im Anwendungsbereich:
EU-Schwellenwerte: Gelten für Vergaben oberhalb der festgelegten Grenzbeträge. Sie verpflichten zur europaweiten Bekanntmachung und zur Anwendung der EU-Vergaberichtlinien.
Nationale Schwellenwerte: Gelten für Vergaben unterhalb der EU-Schwellenwerte. Hier kommen nationale Vorschriften wie die UVgO, VOB/A oder VOL/A zur Anwendung.
Die Kenntnis beider Schwellenwerte ist für die Planung eines Vergabeverfahrens entscheidend, um rechtliche Risiken, Nachprüfungsverfahren und potenzielle Vertragsnichtigkeiten zu vermeiden.
Rechtliche und praktische Bedeutung für Auftraggeber
EU-Schwellenwerte stellen sicher, dass große öffentliche Aufträge in einem offenen, wettbewerblichen und diskriminierungsfreien Verfahren vergeben werden. Für Auftraggeber bedeutet dies, dass sie die Schwellenwerte frühzeitig prüfen, die Schätzung des Nettoauftragswertes sorgfältig dokumentieren und die geeignete Verfahrensart festlegen müssen. Die Kenntnis der Schwellenwerte erleichtert auch die Kalkulation von Vergabezeitplan, Veröffentlichungsfristen und Auswahl geeigneter Bieter.
Bedeutung für Unternehmen und Bieter
Für Unternehmen ist der EU-Schwellenwert entscheidend, um festzustellen, ob eine Ausschreibung für sie relevant ist und welche Vergaberegeln gelten. EU-weite Ausschreibungen bieten Zugang zu größeren Projekten, erfordern jedoch die Berücksichtigung höherer Anforderungen an Form, Fristen, Eignung und Dokumentation. Bieter sollten daher Schwellenwerte kennen, um strategisch Angebote vorzubereiten und rechtssicher einzureichen.
Digitale Unterstützung durch Vergabemanagement-Systeme
In digitalen Vergabetools wie dem evergabe Manager (AI Vergabemanager) sind die EU-Schwellenwerte hinterlegt. Das System schlägt automatisch die passende Verfahrensart vor und unterstützt Auftraggeber bei der Einhaltung der europäischen Vorgaben. Gleichzeitig erleichtert es Bietern die Identifikation relevanter Ausschreibungen anhand des Auftragswerts und der korrekten Einordnung nach EU-Schwellenwerten.
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