Was ist eine Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis?
Eine Leistungsbeschreibung mit Leistungsverzeichnis (LB + LV) ist ein zentrales Dokument bei Ausschreibungen für Bau-, Liefer- oder Dienstleistungsaufträge. Sie kombiniert eine detaillierte Beschreibung der zu erbringenden Leistungen mit einer systematischen Aufstellung einzelner Positionen im Leistungsverzeichnis. Jede Position enthält Informationen zu Art der Leistung, Menge, Einheit und gegebenenfalls Preis. Ziel ist es, die zu beschaffende Leistung klar, vollständig und nachvollziehbar darzustellen. Damit dient die LB + LV als Grundlage für Vergleichbarkeit, Transparenz und Wirtschaftlichkeit im Vergabeverfahren.
Rechtlicher Rahmen
Die Anforderungen an die Leistungsbeschreibung sind im Vergaberecht eindeutig geregelt. Für Bauleistungen sind dies die §§ 7–7c VOB/A, für Liefer- und Dienstleistungen die § 7 VOL/A. Ergänzend finden sich Vorgaben in § 31 VgV und § 23 UVgO. Auch das Vergabe- und Vertragshandbuch für Baumaßnahmen des Bundes (VHB-Bund) beschreibt die Grundsätze für die Erstellung von Leistungsverzeichnissen. Während eine Leistungsbeschreibung mit Leistungsprogramm eher funktional bleibt und dem Bieter Spielraum bei der Ausgestaltung lässt, ist die LB + LV konkret und positioniert, sodass alle Bieter auf der gleichen Grundlage kalkulieren können.
Aufbau und Inhalte
Eine LB + LV enthält in der Regel eine allgemeine Beschreibung des Projekts, die den Anwendungsbereich, das Ziel und den Leistungsumfang definiert. Darauf folgen die Positionsbeschreibungen, in denen einzelne Arbeitsschritte oder Lieferleistungen detailliert aufgeführt werden. Mengen und Einheiten werden definiert, um eine transparente Preisermittlung zu ermöglichen. Außerdem können besondere Vertragsbedingungen wie Ausführungsfristen, Abnahmeverfahren, Qualitätssicherung und Normverweise enthalten sein. Schließlich ermöglicht die Kostengliederung, die Preise den einzelnen Positionen zuzuordnen, sodass die Kalkulation nachvollziehbar bleibt.
Erstellung und digitale Umsetzung
Die Erstellung eines Leistungsverzeichnisses beginnt mit der Strukturierung in Leistungsbereiche, beispielsweise Erdarbeiten, Rohbau oder Ausbau. Jede Leistungsposition wird nach klaren, überprüfbaren Kriterien formuliert, die Mengen auf Grundlage von Mengenermittlungsplänen oder CAD-Daten zugeordnet. Moderne Vergabeplattformen ermöglichen eine digitale Erstellung der Leistungsverzeichnisse, oft GAEB-konform, was die Automatisierung, den Austausch und die Integration in BIM-Prozesse erleichtert. Anschließend können die Leistungsverzeichnisse über digitale Vergabeportale veröffentlicht und die Angebote elektronisch abgegeben werden.
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Bedeutung für Auftraggeber und Bieter
Eine präzise LB + LV sichert Rechtssicherheit, denn nur eindeutig beschriebene Leistungen sind vergaberechtlich zulässig. Sie gewährleistet Kostenkontrolle, da Mengen und Preise transparent dargestellt werden. Gleichzeitig wird Transparenz und Vergleichbarkeit für alle Bieter geschaffen, was den fairen Wettbewerb stärkt. Durch digitale Formate wie GAEB können Auftragnehmer die Leistungsverzeichnisse genau einsehen und präzise Angebote erstellen, wodurch spätere Nachträge oder Missverständnisse minimiert werden. Für Auftraggeber bedeutet dies zudem eine effizientere, revisionssichere und nachvollziehbare Abwicklung der Ausschreibung.