Gewerk

Was ist ein Gewerk?

Ein Gewerk bezeichnet im Bauwesen eine fachlich abgegrenzte Einheit von handwerklichen oder bautechnischen Leistungen, die einem bestimmten Fachgebiet oder Handwerk zugeordnet sind – etwa Maurerarbeiten, Elektroinstallationen, Dachdeckerarbeiten oder Sanitärtechnik. Jedes Gewerk bündelt also gleichartige Tätigkeiten, die innerhalb eines Bauprojekts eigenständig ausgeschrieben, vergeben und ausgeführt werden können.

Was ist die Bedeutung eines Gewerks im Vergabeverfahren?

Im öffentlichen Auftragswesen dient die Aufteilung in Gewerke der Transparenz und dem Wettbewerb. Öffentliche Auftraggeber sind nach den Regeln des Vergaberechts – insbesondere der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) – in der Regel verpflichtet, Bauleistungen gewerkweise zu vergeben. Das bedeutet, dass jedes fachlich eigenständige Leistungspaket separat ausgeschrieben wird. Dieses Prinzip soll sicherstellen, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit haben, sich an Ausschreibungen zu beteiligen.

Private Auftraggeber verfügen dagegen über mehr Gestaltungsfreiheit: Sie können mehrere Gewerke zu einer Gesamtleistung bündeln oder die gesamte Bauausführung an einen Generalunternehmer oder Generalübernehmer vergeben. Dadurch lassen sich Schnittstellenrisiken reduzieren und die Koordination vereinfachen, allerdings meist mit höheren Gesamtkosten.

Gewerke in der VOB und technischen Regelwerken

Die VOB unterteilt Bauleistungen in drei Teile:

  • VOB/A – Regelungen zur Ausschreibung und Vergabe

  • VOB/B – Allgemeine Vertragsbedingungen für die Ausführung

  • VOB/C – Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen

Der Teil VOB/C beschreibt die technischen Standards und Abgrenzungen der einzelnen Gewerke. Hier werden beispielsweise Anforderungen an Bodenbelagsarbeiten, Fliesenarbeiten, Maler- oder Estricharbeiten detailliert geregelt. Diese Differenzierung gewährleistet, dass Ausschreibungen präzise formuliert werden und die Qualität der ausgeführten Bauleistungen vergleichbar bleibt.

Wie funktioniert die Ausschreibung nach Gewerken?

Bei einer gewerksweisen Ausschreibung erstellt der Auftraggeber für jedes Gewerk ein eigenes Leistungsverzeichnis. Dieses listet die auszuführenden Arbeiten, Materialien und Qualitätsanforderungen auf. Bieter können so gezielt auf jene Leistungen bieten, die ihrem speziellen Kompetenzbereich entsprechen. Digitale Vergabeplattformen wie evergabe.de erleichtern diesen Prozess:

  • Auftraggeber können Ausschreibungen exakt nach Gewerken strukturieren und veröffentlichen.

  • Unternehmen oder Handwerksbetriebe finden passende Aufträge, indem sie Ausschreibungen nach ihrem Gewerk oder CPV-Code (Common Procurement Vocabulary) filtern.

  • Alle Beteiligten profitieren von einer klaren, fachlich gegliederten Projektdokumentation.

Warum ist die korrekte Zuordnung von Gewerken wichtig?

Die saubere Trennung und Planung von Gewerken ist entscheidend für einen reibungslosen Bauablauf. Fehler in der Abstimmung – etwa unklare Schnittstellen zwischen Gewerken – führen häufig zu Bauverzögerungen, Nachträgen oder Qualitätsproblemen. Durch eine präzise gewerksweise Planung und Vergabe lassen sich solche Risiken minimieren, Verantwortlichkeiten klar zuordnen und die Bauausführung effizient steuern.

Auf evergabe.de können Auftraggeber deshalb jede Leistung gezielt nach Gewerk ausschreiben und Unternehmen passende Vergabeverfahren entdecken – digital, transparent und rechtssicher.

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